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Die Täuschung

23.07.2024

Sie ködert uns leicht, diese Täuschung,
als würden beäugt wir, belauscht,
als wären wir es, die gemeint.
Die Ahnen haben so sich geschmeichelt,
die Sterne wären wie Blicke
von Engeln, die um sie besorgt.

Was sollen vom Auge Gottes wir sagen?
Kann es sich spiegeln denn wohl
in Seen so trüb, in Maaren schwärzlichen Schaumes,
wie unsere Herzen es sind?

Die wilden Tiere, sie sehen uns nicht,
wie wir uns sehen
und ein Lächeln glänzt auf –
als Schatten sehen sie uns
im Dämmerlicht eines stygischen Schilfs,
wie jener ermüdete Blick
eines Orang-Utan
hinterm Panzerglas des Zoos,
der durch den unseren dringt und hinter uns
weitergeht in ein menschenfernes Gefild.

Der Blätter zartes Aderngeflecht
ist lesbar keinem Tagesverstand,
und was sie dunkel ihm rauschen,
darüber rätselt der nächtliche Wind.

Ob hellenische Anmut sie schrieb,
die holden Spuren im Sand,
ob ihn zerwühlte ein klumpiger Fuß,
die Meerflut achtet der Hoheit nicht
und nicht des gefallenen Geists,
sie wirft ihren Schleier,
die blendende Gischt,
und was sie seufzend verhüllt,
zergeht.

Was schert es den Mond,
ob ihm am Grabmale schimmern
Suren aus dem Koran,
ob deinen lichtvollen Spruch
bald ihm das Moos schon verdunkelt.

 

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