Der alte Eichenstamm
Blind abgeschabt der Rinde Palimpsest,
nur lesbar noch dem Mond. Verschränkt sich biegen
zwei wie im Krampf erstarrte Wurzeln. Doch wiegen
im Wipfel Winde sacht ein Vogelnest.
Rings rupfen Kühe Löwenzahn und Klee,
sie zucken manchmal, ächzt es im Gezweige,
als quille Mark, zersplittre eine Geige.
Der Eicheln Bitterkeit scheut selbst das Reh.
Der alte Stamm, er scheint schon zu verwittern,
doch will am süßen Licht ein Blatt ergrünen.
So rankt an dämmerzarten, morschen Gittern
die Knospe Vers, umsummt von trägen Bienen,
hat aufgetan sie sich den späten Strahlen.
O Blume mit dem müden Lid, dem fahlen.
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