Des Glückes scheuer Strahl
Ein Sonnenstrahl
durchs Küchenfenster kroch einmal,
nachdem er bänglich hingesunken,
aus einer Pfütze Mut getrunken,
flugs wieder sich emporgerappelt,
hat heiter, Knabe, dich umzappelt
und ausgestreut sein Feengold
in deine Knabenlocken hold,
auf dein Vokabelheft ein Wort gesät,
das dir kein Wörterbuch verrät,
getanzt auf deiner Nase Twist,
„Leb wohl“ dir auf die Stirn geküßt.
Gebeugt bleich über die Bukolika
bist nicht errötet du, als wär dir nah,
als käm zurück
das Sommerglück?
Wie, das kann nicht sein,
die Fensterscheibe, sagst du, war nicht rein,
schmutzig war sie, ungeputzt und trübe,
kein Fünkchen je, kein Irrlicht Liebe,
aus dumpfer Qual
erweckte Glückes dich kein Strahl,
perdu war immer Sommer schon
für dich in der Pennälerfron?
Na, warte, Kerl, jetzt setzt es was,
jetzt macht dich Mnemosyne blaß.
Fühlst du es nicht, wie sich im Grab
herum die Mutter dreht, die alles gab,
was wieder du mit vollen Händen hast
vergeudet und verpraßt,
die treue Magd, die Küchenfee,
gebügelt das gestärkte Hemd,
den eitlen Scheitel dir gekämmt,
die braun geäugt, das Schlaf-gut-Reh,
was, geputzt hätt sie die Scheibe nicht,
damit ermuntert dich das Sonnenlicht?
Im Finstern ewig torkle seelenkahl,
verleugnest du des Glückes scheuen Strahl.
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